Wir achten auf die Handbewegung.

16. Juli 2008 von Anna

Die neue Bawag hat uns gelehrt, auf die Handbewegung zu achten. Handbewegung in diesem Fall ist das Ärmelhochkrempeln.  Wir haben uns also verinnerlicht, dass das Ärmelhochkrempeln zur Bawag gehört.

Nun gibt es eine neue Werbung. Die beginnt damit, dass viele Menschen ihre Ärmel hochkrempeln. Aha denkt sich der aufmerksame Zuschauer, die Bawag hat wieder eine neue Werbung.
Und dann kommt der Schock - es geht nicht um die Bawag sondern um…

Ja genau. Das Rote Kreuz. An sich ist die Werbung genial. Mit einfachen Mitteln wird ein enormer Effekt erzielt. Die Werbeagentur hat sich da wieder wirklich etwas Tolles ausgedacht. Mit einem einzigen großen Fehler. Das Ärmelhochkrempeln hat sich die Bawag schon als den ihrigen Werbeeffekt unter den Nagel gerissen. Und der erste Gedanke bei dieser Werbung gehört der Bawag. Schade, dass das Rote Kreuz ungewollt für andere Werbung macht.

Actimel, Teil fünf

9. Juli 2008 von Martin

Man würde meinen, dass wir zu Actimel schon zur Genüge berichtet haben, weswegen die Wirkungsweise des Wundermittels wohl schon bekannt sein dürfte. Grundsätzlich geht es darum, dass man einen Cocktail von gesunden Bakterien trinkt, der seine Wunderwirkung vor allem im Darm tut und so zu mehr Gesundheit beiträgt.

Umso verwunderlicher ist es daher, dass die Darstellung der aktuellen Werbung unmittelbar nach dem Trinken eine Verteilung des gerade konsumierten Actimels nicht etwa im Verdauungstrakt sondern im ganzen Körper der Person zeigt. Noch verwunderlicher allerdings, dass zumindest nach meiner Beobachtung eine erhöhte Konzentration der Wirkstoffe (oder was auch immer diese gelben Punkte darstellen sollen) genau unter den Achseln der Versuchsperson eintritt, wo wir ja nachweislich einen ganz besonderen Bedarf an Verdauungsbakterien haben, oder? ;)

Sommer, Sonne, Sonnenschein…

3. Juli 2008 von Martin

…und wir mittendrin. Weil wir es den Lesern hier schulden ein kurzes Wort zur derzeit herrschenden Beitragsknappheit.

Wie einige wahrscheinlich schon gemerkt haben, hat die Frequenz von Beiträgen in der letzten Zeit merklich abgenommen. Das hat drei Gründe. Zum einen hat für uns als Studenten (zumindest bis zur Zeit der Ferialjobs) die Erholungszeit angefangen, was sich vor allem daran zeigt, dass wir ziemlich wenig Werbung sehen, weil die Fernsehzeiten drastisch zurückgefahren werden. Dann scheint uns die Werbeindustrie momentan nicht gerade mit Überschüssen an Blödsinn zu überschütten. Und zu guter Letzt scheint draußen die Sonne und wir die Prioritäten allein schon deswegen ins Freie verlagern.

Das heißt natürlich nicht, dass wir das Bloggen bis in den Herbst generell sein lassen, aber die Häufigkeit der Einträge wird tendenziell bis dahin eher abnehmen oder auf gleich niedrigem Niveau bleiben. Hinweis-Mails nehmen wir natürlich weiterhin gerne entgegen und wir haben auch ein Auge hierauf. An dieser Stelle bleibt eigentlich nur, allen Lesern einen erholsamen und schönen Sommer zu wünschen.

Das Werbewahn-Team

Intelligenz so weit das Auge reicht.

24. Juni 2008 von Anna

Wir leben in einer Gesellschaft der Intelligenz. Roboter, Autos die selber einparken können, Rasenmäher die selber mähen, Waschbecken die sich selber trocknen und so weiter. Der Mensch muss mittlerweile nicht mehr viel eigenständig machen.

Wäsche waschen müssen wir noch selber, zumindest die Maschine befüllen und einschalten. Wer selber wäscht kennt auch das Problem von starken Flecken, die müssen nämlich vorher extra behandelt werden. Von Hand versteht sich.

Doch das hat jetzt ein Ende, wenn wir der Werbung des Waschmittels “Vanish Oxi Action Intelligence” glauben dürfen. Denn das intelligente Waschmittel spürt die Flecken auf der Wäsche auf und behandelt sie wirkungsvoll. Also nochmal zum verinnerlichen: Das Waschmittel spürt die Flecken auf! Das Waschmittel sucht sich aus der Waschpulverkammer in der Waschmaschine den Weg durch den nassen Wäschehaufen, steuert dann zielstrebig zum Grasfleck, dem Rotweinfleck oder was auch immer für Flecken vorzufinden sind und macht sich an die Arbeit den Fleck zu entfernen. Und ganz nebenher reinigt es auch noch die nicht so stark verschmutzten Wäschestücke. Also auch noch multitaskingfähig das Waschpulver! Toll, oder nicht?

Naja, irgendwie sagt mir mein Verstand, der auch ein bisschen intelligent ist, dass das nicht funktionieren kann. Dass ein Pulver einfach nicht so intelligent sein kann.

Zungenfertig

20. Juni 2008 von Martin

bet-at-home.com, ein Internet-Wettanbieter fällt mir schon seit geraumer Zeit in Sachen Werbung durchwegs positiv und witzig ins Auge. Alltagssituationen werden zu spektakulären Wettkämpfen (man erinnere sich nur an das mit einem Pappbecher als Ball erzielte Tor!) mit dem eingängigen Werbespruch, dass das Leben ein Spiel sei.

Anlässlich der Europameisterschaft der Fußballer gibt es nun einen neuen Spot, der, obwohl alle Anzeichen anfangs auf einen weiteren Alltagswettkampf hindeuten, in einem innigen Kuss zwischen einem männlichen und einem weiblichen Fußballfan endet.

Der Spot erfüllt meines Erachtens sämtliche Kriterien guter, durchdachter Werbung. Toller Spannungsaufbau, den Zeitgeist aufgegriffen und eine witzige, überraschende Pointe. Gerade die Wahl unterschiedlicher Nationen in Form von Deutschland und Österreich, die sich zum großen Fußballfest treffen um dort zu feiern ist angesichts der Rivalitäten und den aufkeimenden Cordoba-Nostalgien im Zusammenhang mit dem betreffenden Spiel bemerkenswert und erfrischend gemacht.

Passend zur Kampagne gibt es auch ein Plakat:

Genau dieses Plakat stellt anscheinend ein Problem für manche Menschen dar, es wurde nämlich vom Österreichischen Werberat gerügt. Den “ethischen Grundsätzen der Werbung” würde ein derartiger Zungenkuss widersprechen, auf Kinder müsse Rücksicht genommen werden, weil sonst die Möglichkeit  “ungewollter Nachahmeffekte” hervorgerufen würde. Genaueres auf der Homepage des Werberats.

Aha. Ich weiß ja nicht was die Entscheidungsträger des Werberats da geritten hat, die Ansichten teile ich jedenfalls nicht. Gut, ein Zungenkuss ist schon etwas intimes, aber es ist nichts, das man nicht auch einfach so gelegentlich auf der Straße sehen würde. Kinder wissen doch mit einem Kuss umzugehen, auch wenn er etwas übergroß auf einem Plakat zur Schau gestellt wird, würde man meinen. Mir persönlich würden spontan mehrere Werbekampagnen einfallen, die sich wesentlich provokanterer Motive bedienen. Ungewollte Nachahmeffekte? Meine Güte! Die Kinder könnten ja tatsächlich irgendwann jemanden küssen! Wie schrecklich!

Manchmal ist es wohl doch gut, dass die Kompetenzen des Werberats nicht über die “Aufforderung zum sofortigen Stopp” hinaus reichen.

Von Löchern und tiefen Abgründen.

16. Juni 2008 von Anna

Es gibt da diese Krankheit Namens Alzheimer.
Krankheitsbild: Vergessen.
Umgang der Gesellschaft damit: auch Vergessen.

Dann gibt es dieses Sprichwort das da lautet: “Ein Gedächtnis haben wie ein Sieb.”
Bedeutung: etwas vergessen.
Wertung in der Gesellschaft: abwertend, negativ behaftet.

Wir möchten es lieber unter den Teppich kehren, wenn Angehörige an Alzheimer leiden oder wenn es gar uns selber betrifft. Das Vergessen wird auf das Alter geschoben, getan wird oft nichts dagegen. Die österreichische Alzheimerhilfe hat es sich nun zur Aufgabe gemacht zu erinnern, zu zeigen, dass es Hilfe dagegen gibt.

Minimalistisch zeigt sich dem Betrachter auf Plakaten oder in der Werbung im Fernseher ein handelsübliches Sieb auf schwarzem Hintergrund mit der aufgestellten Behauptung “Das ist kein Sieb.”. Die Begründung lautet: “Das ist das Gedächtnis von 100.000 Österreichern.”.

Wir verbinden nun unser oben genanntes Sprichwort mit dieser Werbung und kommen zu dem Ergebnis, viele Österreicher haben ein Gedächtnis wie ein Sieb.

An sich ist die Idee gut, auch muss die Gesellschaft mit Sicherheit aufgerüttelt werden. Allerdings bleibt dem Betrachter ein fahler Nachgeschmack im Mund der schon wieder zum schnellen vergessen animiert. Und das sollte doch nicht Sinn der ganzen Kampagne sein.

Zur Betrachtung hier klicken.

Immunofortis und so…

10. Juni 2008 von Phillip

Wieder einmal können sich Fernsehzuschauer berieseln lassen von einer heilen Welt. Aptamil Folgemilch mit Immunofortis macht’s möglich! Während uns oft schon erklärt wurde, dass nichts die Muttermilch ersetzen kann, arbeiten Konzerne in ihren Kampagnen immer noch emsig gegen dieses Wissen. Zwar suggeriert der Term “Folgemilch” natürlich, dass diese Milch erst nachder eigentlichen Muttermilch verabreicht wird, aber die Packung tut das nicht.

Bei meinen Recherchen fand ich relativ schnell diese Seite (Achtung: Englisch!). Zuerst möchte ich nur auf das Bild der Aptamil-Packung hinweisen. Dort steht ganz deutlich: “if baby is not breasted or[...]“. Auf Deutsch heißt das nun einmal “Falls das Baby nicht gestillt wird oder [...]“. Dann sieht man auf der Packung einen großen Schild, der Sicherheit suggeriert und zu allem Überfluss schlummert auch noch ein putziger Eisbär hinter diesem schützenden Schild, der voll und ganz ins Kindchenschema fällt und wahrscheinlich sogar die Mutterinstinkte von so manchen Männern weckt.

Aber welche ominösen Wunder verbergen sich hinter Immunofortis? Ein erster Deutungsversuch aus dem Bauch signalisiert natürlich die offenkundigste aller Lösungen: auch wenn ich es nicht so genau übersetzen kann, klingt es doch gut fürs Immunsystem. Eine Deutung mit Lateinwörterbuch fällt da überraschenderweise schon um Einiges schwerer. Es finden sich gleich vier Einträge, die mit “immun” beginnen. Der erste davon ist “immunio 4, ivi: hineinbauen”. Für diejenigen, die nie Latein hatten: Die vier ist ein Hinweis auf die Konjugation, ivi ist die Endung des Perfekts. Dann wäre da noch “immunis, e: frei von Leistungen, Abgaben-, Steuerfrei, frei von Bezügen, ohne Geschenke zu geben, dienstfrei, pflichtvergessen, frei, unberührt, gefeit, geschützt, immun”. Außerdem finden wir noch “immunitas, atis, f.: das Freisein, die Befreiung (von Leistungen, Verpflichtungen), Abgabenfreiheit, Vergünstigung, Privileg” und “immunitus 3: unbefestigt, ungepflastert”. Bei”fortis” dagegen werden wir nicht mit so vielen Möglichkeiten bombardiert. “fortis: stark, kräftig, fest, rüstig, dauerhaft, fest, mutig, tapfer, energisch, kühn, forsch, tüchtig, gewaltsam” Wenn man etwas klug auswählt, dann kommt man natürlich zur der Bedeutung, die uns auch unsere Intuition vorspielen soll: Starke Abwehr. Dass mir bei der Zusammensetzung und der Endung auf -o die Haare zu Berge stehen, möchte ich trotzdem noch sagen! Diese existiert nämlich meines Wissens nicht in der konsonantischen Deklination.

Das erklärt uns aber nicht, was drin ist. Eine Google-Suche auf gut Glück (auf gut Glück selbst suchen, nicht die Google-Funktion!) bringt uns z.B. auf diese Seite. Dort steht zu lesen:

“Es ist wissenschaftlich bewiesen: Aptamil stärkt das Immunsystem des Babys auf natürliche Weise, da es IMMUNOFORTIS enthält. Eine einmalige und patentierte Mischung von natürlichen Nährstoffen, welche der Muttermilch nahe ist.” (Quelle: www.promarca.ch)

An fast gleicher Stelle findet man außerdem:

“Der schweizerische Markenartikelverband Promarca, gegründet 1929, vertritt die Interessen von 95 Mitgliedunternehmen, die einen Nettoumsatz von rund 9.5 Mrd. Franken erzielen. Diese Markenunternehmen beschäftigen rund 17′000 Mitarbeiter und investieren jährlich mehr als 180 Mio. Franken in den Standort Schweiz.” (gleiche Quelle)

Ich weiß ja nicht, wie das andere sehen, aber ich habe daraufhin beschlossen, Quellen auf neutralerem Boden zu suchen. Übrigens: der zweite Satz kein Verb. Zumindest wissen wir schon, dass es eine “Mischung von natürlichen Nährstoffen” ist. Aber das ist mein Schnitzel mit Pommes auch…

Die erste Quelle, die wenigstens auf den ersten Blick halbwegs seriös erscheint, fand ich hier. Allerdings scheint die Seite Milupa- dem Hersteller - ebenfalls recht nahe zu stehen. Trotzdem findet man umfangreiche Quellenangaben am Ende der Seite und es scheinen tatsächlich Ergebnisse einer Studie vorzuliegen. Natürlich wird nicht wirklich gesagt, was Immunofortis ist…

An dieser Stelle habe ich noch weitere Suchergebnisse durchgesehen, aber ich wurde nicht mehr fündig. Auch wenn Immunofortis etwas zu bewirken scheint, bleibt ein herber Nachgeschmack beim Betrachten dieser Werbung. Bei Herstellern von Kinder- und Babynahrung setzt sich der Trend fort. Immer wieder wird Müttern Zeug als wichtig, gesund oder sogar “similar to breastmilk” angeboten, was es in Wirklichkeit nicht ist. Fakt ist, dass die Zusammensetzung von Muttermilch einzigartig ist. Sie enthält nicht nur Nährstoffe, sondern auch Antikörper und Enzyme, die in keiner künstlichen Milch zu finden sind.

Besonders erschreckend erscheint da diese Statistik, nach der 34% der Frauen in England und Wales glauben, dass künstliche Milch der Muttermilch sehr ähnlich ist. Immerhin 29% der befragten Frauen haben nie (!) versucht, ihr Kind zu stillen, unter den unter 24 jährigen sind es sogar 40%! Ich glaube, dass die Marketingstrategien der Babynahrungshersteller nicht ganz unbeteiligt an solchen Entwicklungen sind.

Ich kenne übrigens ein Mädchen, das ohne Muttermilch großgezogen wurde. Sie hat mehr Allergien, als ich auswendig lernen kann und wird recht oft krank.

Und Milupa ist mit seiner Aptamil Folgemilch kein Einzelfall. Auf der oben erwähnten Seite (erster Link) findet sich eine kurze Liste von irreführenden Beschriftungen und in GB eigentlich verbotenen Hinweisen auf Verpackungen von Babymilch. Offensichtlich lässt sich den Euphemismen und Lügen nicht einmal mit Gesetzen Einhalt gebieten. Wirklich traurig.

Ohne Schokolade

4. Juni 2008 von Martin

Sommer ist eine großartige Jahreszeit. Endlich wieder Sonne und im Schnitt mehr gut- als schlechtgelaunte Menschen. Natürlich auch Urlaubszeit, am Pool entspannen oder die Wellen des Meeres am weißen Sandstrand unter Palmen rauschen hören.

Letzteres Wunschdenken wird schon länger von den Leuten von Ferrero instrumentalisiert, wenn es darum geht, uns Raffaello zu verkaufen. Leicht und wunderbar wie eine sanfte Brise werden uns die weißen Kokoskügelchen da präsentiert und uns wird auch versichert, dass Raffaello komplett ohne Schokolade auskommen würde. Ohne Schokolade also, das suggeriert doch ganz klar, dass die Dinger so “leicht” sind, dass Schokolade dagegen die reinste Fettbombe ist. Wäre da nicht der unverkennbare Geschmack von Zucker, würden wir wahrscheinlich davon ausgehen, dass wir beim Konsum eher ab- als zunehmen.

Blöd nur, dass Raffaello sogar um über 10 Prozent mehr Brennwert und einen 50 Prozent höheren Fettanteil hat als gewöhnliche Schokolade, aber dazu schweigt die Werbung natürlich.

Kaum gestohlen…

31. Mai 2008 von Martin

…tja, wer kennt die Fortsetzung der ehemaligen Bildzeitungs-Schlagzeile zu einem Autodiebstahl nicht?

Vorurteile gibt es überall. Sie sind manchmal mehr, manchmal weniger begründet und teilweise auch einfach aus der Luft gegriffen. Ziel derartiger Vorurteile sind meistens irgendwelche Volksgruppen oder Angehörige einer gewissen Staatsbürgerschaft, die als Opfer meistens weniger begeistert über derartige Verallgemeinerungen reagieren, trotzdem sind Stereotypen aus der heutigen Gesellschaft (leider) nicht wegzudenken.

Problematisch wird es, wenn die Werbung derartigen Vorurteilen durch Verwendung von ebenjenen auch noch einen Schub verpasst und die weitere Festigung und Verbreitung damit fördert. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen ist seit jeher besonders von deutscher Seite her von Vorurteilen geprägt, das Klischee des kleptomanen Polen wird gepflegt, doch als Media Markt 2006 mit einem Spot, in dem ein ebensolcher bei Mediamarkt etwas stiehlt punkten wollte, machten sich die Polen gegen die vorurteilshafte Werbung stark und Mediamarkt nahm den Spot zurück.

Nun rückt die EM näher und mit ihr möchten natürlich alle möglichen Branchen Geld oder Profit machen. Foozee, ein EM Tippspiel im Internet auch, deswegen hat man einen Spot erstellt und was ist denn einfacher, als einfach auf das Spiel zwischen Deutschland und Polen hinzuweisen.

Gefunden hat den Spot Alex vom WotschBlog, der hier zugleich auch als Hinweisgeber für uns fungiert hat. Auf seinem Blog ist mittlerweile schon eine recht hitzige Diskussion darüber ausgebrochen, ob man derartige Werbung überhaupt machen darf, ob das nicht etwa rassistisch oder vielleicht zumindest beleidigend für die Polen ist und dergleichen mehr. Und ein Ruf nach unserer Meinung, dem wir natürlich nachkommen wollen.

Nur, was schreibt man da? Der Spot ist nicht besonders toll, etwas zu lang und die Pointe zu flach. Die Szene mit der Nationalhymne irgendwie überflüssig. Ich persönlich finde es nicht besonders toll, dass man Vorurteile dieserart bedient, aber derart verwerflich, dass ich daraus gleich Rassismus ableiten würde finde ich es auch nicht. Zieht man den Umkehrschluss, kommt man auch zum Ergebnis, dass alle Deutschen derart grässliche, betrunkene, grölende Fußballfans sind, die nicht wissen, wie sie sich aufführen sollen und deswegen ihrem Harndrang einfach überall nachgeben. Ob das so viel besser ist, als die angeblich diebischen Polen, sei dahin gestellt.

Trotzdem, und das muss man den Werbeleuten lassen, haben sie ihr Ziel mehr als erreicht. Über 60.000 Views auf YouTube lassen keinen anderen Schluss als den Erfolg des Spots zu und je mehr Theater darum gemacht wird, desto mehr Erfolg wird sich einstellen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Polen das ähnlich sehen und die nicht besonders schöne Sache nicht auch noch durch einen Eklat beflügeln.

Zu mehr als einem Schmunzeln über die deutschen Fußballfans, die es nicht besser verdient haben hat es bei mir übrigens nicht gereicht, aber ich bin ja auch Österreicher.

Äpfel, drei!

21. Mai 2008 von Martin

Die meisten Internetnutzer werden das kennen: wenn die Verbindung nicht funktioniert, dann muss man eben die (meistens eher nicht kostengünstige) Service-Hotline zur Lösung des Problems bemühen. Sobald man also tatsächlich zum Telefon greift fängt der Ärger erst richtig an, weil man zuallererst in der Warteschleife hängt. Um der Telefonistin (dem Telefonisten) etwas Dispositionsarbeit abzunehmen investieren viele Firmen automatische Systeme, die das Gespräch zum hoffentlich richtig zuständigen Sachbearbeiter durchstellen (“Wenn Sie Fragen zu unseren Produkten haben, drücken Sie die Eins. Für technische Fragen…”). Sofern der dieserart Auserwählte nicht gerade besetzt ist und man sich deswegen das großartige Gedudel der Warteschleifenmusik anhören darf, kommt man dann vielleicht an die richtige Stelle. Oder man wird neuerlich verbunden.

Schon einmal aufgefallen? Die meisten solcher Telefonsysteme bieten eher schwammige Beschreibungen der Menüpunkte mit vielen Unterpunkten, sodass man eher beim falschen als beim richtigen Sachbearbeiter landet und man sich deswegen auch noch schuldig fühlt, weil man dieses wirklich einfache System nicht richtig bedienen konnte. Um dem Kunden auch noch dieses lästige Drücken von Zahlen auf dem Telefon abzunehmen setzen einige Hotlinebetreiber mittlerweile auf Spracherkennung. Man muss also der Maschine erklären, wo man hin will, meistens mit so einfallsreichen Kommandos wie “Eins” oder “Zwei”, wobei die Fragen eigentlich die gleichen bleiben. Schon daran merkt man, dass diese Sprachsteuerung ein wichtiges Upgrade zur Vorgängerversion war (weniger Fingerarbeit!), wäre da nicht der Fehler im System, dass wir gelegentlich vom Computer einfach nicht verstanden werden. Wir Österreicher haben ja gerne unsere diversen Dialekte, aber auch in Deutschland gibt es da durchaus interessante Varianten - man stelle sich etwa den Bayer vor, der statt “Eins” ganz selbstverständlich “Oas!” ins Telefon murrt.

Um die Sache auf den Punkt zu bringen, derartige Systeme, egal ob man Zahlen drücken oder sprechen muss, nerven den Kunden grundsätzlich, weil sie komplett unpersönlich sind und meistens auch noch genau das tun, was wir nicht wollen: sie kosten Zeit, Geld und Nerven, was die Anruferzahl freilich drückt, den Frust unter Kunden aber erheblich steigen lässt.

Die Leute bei Yello haben das Problem erkannt und geschickt in eine Werbung verpackt, die nicht nur überzeugt, sondern auch zum Schmunzeln bringt.

Besten Dank geht (einmal mehr) an die angeber.in, ohne die wir derzeit angesichts durchwegs passabler Werbespots wohl wirklich wenig zu berichten hätten.